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30.07.2020
Der traurigste Tag der Geschichte

Es gibt Tage, die bündeln die Katastrophen. In der Erinnerung unserer jüdischen Geschwister ist heute so ein Tag. Der Tempel in Jerusalem ist mehrmals zerstört worden – zuletzt heute vor 1.930 Jahren, am 9. Tag des jüdischen Monats Aw. Am gleichen Tag Jahrzehnte später wird die Stadt Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht. Und es sollte sich noch mehr Unheil ereignen – immer wieder am 9. Tag des Monats Aw. In Erinnerung des Schicksals der Altvorderen verzichten Juden heute auf Mahlzeiten und alle Annehmlichkeiten des Lebens wie Kosmetika. Sie fasten. Und schon die letzte Mahlzeit vor dem Gedenktag nehmen manche alleine ein, als Zeichen der Trauer.

Gar nicht einfach, so viel Trauer auszuhalten, nicht wahr? Das merken wir bei jedem Trauerbesuch. Manchmal gibt es einfach nichts zu retten, nichts schönzureden, nichts zu trösten.

Was brauchen Sie, wenn Sie traurig sind? Ich brauche Raum für die Trauer und Musik. Ich brauche, dass ich Zeit habe, und es nicht schnell weggetröstet wird. So kann ich mich durchweinen bis zur letzten Träne. Irgendwann ist sie vergossen, die letzte Träne. Irgendwann sind die Augen trocken und klar und ich erblicke den Weg, der sich lange schon vor mir aufgetan hat und den ich jetzt gehen kann.

Der neunte Tag des jüdischen Monats Aw ist ein Tag der Trauer. Und einer der Vorbereitung auf das, was aus dem Verlust heraus entstehen kann. Etwas ganz Neues. Gott ist treu.

Das weiß Friedrich Kramer von der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland


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