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17.11.2020
Ein Garten Eden in Halle

Unter meinen Füßen raschelt das Laub. Viele Bäume hier sind schon kahl. Ich suche einen bestimmten Baum. Den Baum von Jens. Er hatte ihn mit seiner Frau und seinen Kindern gepflanzt.

Jens war es immer schlechter gegangen. Bis der Anruf kam: „Wir haben ein Spenderorgan für Sie.“ Da hatte die Familie die Hoffnung für Jens schon fast aufgegeben.

Jens wusste: Es müssten zwei Ereignisse zusammenkommen: Dass jemand stirbt, der noch jung und gesund ist, und dass er einen Organspendeausweis hat.

Nieren, Leber, Herz und andere lebenswichtige Organe können verpflanzt werden. Darauf hoffen Patienten lange, manchmal zu lange.

Aber für Jens kam die Rettung.

Wochen nach der erfolgreichen Transplantation pflanzte Jens mit seiner Familie den Baum hier im Park in Halle, auf der Saline-Halbinsel. Eine junge Buche als Dank für den unbekannten Spender, und für dessen Familie. Denn die musste erfahren, dass ihr Verwandter tot ist - und dann, mitten im Schock, auch noch damit klarkommen, dass ihm Organe entnommen werden. Organe für einen Unbekannten.

Der Park mit seinen Bäumen ist für sie da: für die anonymen Spender und die Hinterbliebenen, für die Organempfänger wie Jens. Auch für das Personal in der Klinik und alle anderen Beteiligten.

Im nächsten Frühjahr wird die Buche wieder neue Blätter treiben. Sie wird erzählen vom Geschenk und von der Verletzlichkeit des Lebens.

Dieser Park ist ein Paradiesort. Für mich ein Garten Eden mitten auf der Erde. Ein Garten der Nächstenliebe.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg


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