15.08.2019
Fürbittgebet

„Unerhört!“

Am Ausgang der Kirche kommt ein Mann wutschnaubend auf mich zu.

„Unerhört! Sie beten für Politiker und andere Menschen, die Verantwortung tragen! Ich habe es mir aufgeschrieben. Typisch Kirche. Immer dicke tun mit den Mächtigen.“

Und weg ist er.

Ja, im Gottesdienst bete ich öffentlich für Menschen in Not, für Kranke, Einsame und Sterbende. In der Stille nenne ich Namen von Menschen, deren Not ich kenne. Das mache ich übrigens jeden
Tag. Und ich bete auch für Menschen in der Politik und Wirtschaft, in der Wissenschaft, dass sie mit ihrem Einfluss richtig und zum Nutzen aller umgehen mögen. Ich bitte Gott, er möge sie ihre Verantwortung spüren lassen und sie tragen helfen.

Dicke-Tun mit den Mächtigen ist das nicht. Es ist ein sorgenvoller Blick auf Menschen, die bereit sind, Entscheidungen zu treffen und beständig mit der Unterstellung leben, sie würden am Ende nur für sich sorgen.

Das mag es geben, ungestraft bleibt es nicht.

Wir leben in einem Land, in dem jeder und jede selbst versuchen kann, Verantwortung zu übernehmen. Neue Gesichter in der Politik werden gesucht; Vereine suchen neue Mitglieder; auch die Kirche braucht Menschen mit Einsatzbereitschaft.

Wer kritisiert, muss es besser machen.

Eine Woche später ein Brief. Der Mann von der Kirchentür. Ein wenig Entschuldigung: nicht so gemeint …, aber…

Wir sind in Kontakt und haben unterschiedliche Meinungen zu wichtigen Fragen.

Manchmal wirkt Gebet ganz anders, als ich erwarte.

Überraschte Grüße aus Dessau

von Joachim Liebig


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