Jule

Wieder keine Zeitung im Kasten, hatte Jule gedacht.
Wissen sie, wer hier die Zeitung austrägt? Der Hausmeister wischte den Boden. Oder haben sie meine Zeitung gesehen, die Frankfurter Allgemeine?
Nö, weeß och nicht, wer das hier macht. Die Leute in der Straße die sagen das auch, mal kommt die LVZ, mal kommt sie nicht.
Jule sah ihn verständnislos an.
Junge Frau, sie wohnen hier eben auf dem Land und nicht in Frankfurt am Main.
Großstadt oder nicht, das muss doch klappen. So doch nicht! Seid ihr euch das alle nicht wert?! Sie stand vor ihm, immer noch, ungebremst, die Arme in den Hüften. Da oben die Leute haben sich auch schon beschwert, aber es tut sich eben nix. Und ihr, ihr findet euch damit ab?
Ich habe keine Zeitung, mein Job ist das nicht.
Heinrich wischte den Boden. Jule sah ihn an, so mit mir jedenfalls nicht. Heute Nachmittag ruf ich da an. Schönen Tag noch, sagte sie. Ein Gleiches, junge Frau. Jule stieg auf, fuhr weg mit dem Rad. Heinrich sah ihr noch nicht einmal nach.
Die letzte Stufe war dran. Die Ecke der Stufe wurde rund. So viel Mühe um den Dreck, wozu eigentlich, nächste Woche ist´s eh wieder alles dran.
Entzieh dich nicht deinem Fleisch. Brich dem Hungrigen dein Brot und die, die im Elend sind führe nach Haus, sagte einst der Prophet.
Sich entziehen war für Jule einfach keine Option. Wenn etwas nicht läuft, dann packt man mit an. Sie hatte einen Gott, der mit ihr sprach: Menschenskind, sei gründlich, pack mit an.
Fröhliches Anpacken wünscht Ihnen Kristin Jahn, Pfarrerin einst in Wittenberg und jetzt im Altenburger Land