Schweiß

Aufstehen. Die Knochen schwer wie Blei. Nina schleppte sich in die Küche, seit Monaten schon. Ich kann das einfach nicht mehr. Am Mittwoch, das Gespräch mit den Eltern zu Haus. Es steckt ihr noch immer in den Knochen. Die Mutter hat nur still geschaut, verständnislos, das gibt’s doch nicht. Was meinst du, wenn ich einfach sowas sag? Ich kann, ich mag nicht mehr.
Was glaubst du, wohin dich sowas führt? Aufgeben, die Arbeit, den festen Job. Wovon willst du denn die Miete bezahlen? Wenn Du wüsstest, wie das ist, hatte sie gesagt. Das Büro ist die Hölle. Ständig klingelt das Telefon. Ablage, Termine, Frau Müller hier und da und ich komm dort gar nicht als Mensch mehr vor.
Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, hat Großvater immer gesagt. Ja, Mutter und weißt du was, ackern find ich grundsätzlich gut, aber man muss auch wissen wofür!
Montag kündige ich. Hat sie eben gesagt, ihr Spiegelbild hat es gehört.
Frau Müller, wo ist denn das und das Papier? Weggeflogen hat sie gestern gesagt. Ihr Chef stand in ihrer Tür. Ich will arbeiten, und ich will wissen wofür. Ich brauch was mit Menschen und nicht mit Papier.
Gestern hat Nina Schluss gemacht und Montag fängt sie mit dem Praktikum an, in der Kita, sie weiß, wofür.

Eine besinnliche Zeit wünscht Ihnen Pfarrerin Kristin Jahn, einst Wittenberg, jetzt Altenburg