Julies Gebet

- Mach, dass es gut wird!
- Was?
- Dass sie atmet, was denn sonst! Siehst du das denn nicht? Merkst du denn nicht, wie schlecht es ihr geht! Komm und mach, es richtig und gut!
- Was ist richtig und was ist falsch, Julie?
Julie hat gebetet in der Nacht. Für ihre Tochter, das neugeborene Kind.
- Hilf ihr, dass sie einmal laufen kann und atmen, durchweg, Tag und Nacht! Mach, dass sie springen und singen kann, dass sie tanzt und läuft, wie jedes andere Kind.
- An welches Kind hast du dabei gedacht?
- Ich will sein, wie die Mütter nebenan, die glücklichen Mütter mit ihrem Kind, will sie halten und wickeln, Tag und Nacht. Ich will auch so sein. Eine Mutter, stolz auf ihr Kind
- Und wofür wäre der Stolz dann gut?
- Ich dachte, wenn sie kommt, dann ist alles gut. Ich habe mich so gefreut und jetzt das. Siehst du denn nicht, wie schlecht es ihr geht? Komm, Gott und mach alles gut!
- Was ist gut und was ist schlecht? Du fragst mich, ob ich ihr Elend nicht seh´? Ich liege doch mit in ihrem Blut und dürste mit ihr nach Leben.
Gott, ein Mensch, in der Krippe, am Kreuz. Gott ist nicht ganz auf der Höhe, so wenig wie Julie und ihr neugeborenes Kind. Gott ist hier, im Brutkasten, auf der Intensivstation. Angeschlossen, verkabelt, ganz nah.
Einen neuen Tag wünscht Pfarrerin Kristin Jahn, Wittenberg/Altenburg