Angedacht, MDR, Radio, Radio-Andacht, Radio-Andachten, Radioandacht, Radioandachten,

03.12.2023
Knastweihnacht

Ein Freund von mir probt in einer Justizvollzugsanstalt mit ein paar Gefangenen für das Krippenspiel. Neulich wurden die Rollen verteilt. „Und was glaubst du, um welche Rolle sich alle reißen?“ fragt er.

Na, ich denke um die Hirten. Es geht ihnen doch ganz ähnlich. Sie sind abgeschrieben; man schaut auf sie herab; bei denen weiß man ja nie...

„Nein.“ sagt mein Freund. „Sie wollten alle Könige spielen. Denn am Arsch sind sie sonst immer.“

Schließlich sind dann doch alle Rollen verteilt. Die Proben fangen an. Und die Könige überlegen, was sie als Gaben zur Krippe bringen. Gold – ok. Aber Weihrauch und Myrre? Wer braucht so was? Sie entscheiden sich für Tabak – damit der Vater was zu rauchen hat; Wein zum Feiern für die Eltern; und für das Kind - ein Lexikon. Das Kind muss doch was lernen, wenn aus ihm was werden soll.

Kostüme sind im Knast leider verboten. Aber Kronen basteln sich die drei Könige.

Dann kommt der Gottesdienst mit Aufführung. Alle können ihren Text, sie spielen prima. Und am Schluss gehen die Könige zum Stall, wo alle schon versammelt sind.

Die drei Könige knien sich hin und stellen ihre Kronen an die Krippe.

Hier sind alle gleich. Keine Könige, keine Hirten, keine Engel. Sie sind alle Gefangene. Und sie hoffen auf ein Licht. Und manche legen mit der Krone vielleicht auch ihre Schuld und ihre Sorgen dem Jesuskind vor die Füße.

Das Krippenspiel ist vorbei. Einer der drei Könige klopft meinem Freund auf die Schulter. „Du, nächstes Mal bin ich wieder dabei.“

„Toll!“ denkt mein Freund. Doch im nächsten Augenblick durchzuckt es ihn. „Oh man, denkt er. „Der sitzt nächstes Jahr immer noch hier.“

Eine gesegnete Adventszeit wünscht

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg


Bleiben Sie mit unseren Newslettern auf dem Laufenden.

Hier Abonnieren

Die besten News per E-Mail - 1x pro Monat - Jederzeit kündbar