28.07.2019
Neander

Es muss sein Lieblingsplatz gewesen sein. Eine eindrucksvolle Schlucht, durchflossen von der kleinen Düssel. Dort textete und komponierte Joachim Neander. Sogar Gottesdienste feierte der Pfarrersohn in der Natur. Das ist nun weit über dreihundert Jahre her. Doch Gottesdienstbesucher singen noch heute seine Lieder.

„Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret; / der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet. / Der dich erhält, / wie es dir selber gefällt. / Hast du nicht dieses verspüret?“

Joachim Neander - ich sehe ihn vor mir, wie er im Tal an einem Höhleneingang sitzt, ein Heft auf den Knien, eine Schreibfeder in der Hand. Wie das Wasser ans Ufer schlägt, die Wolken ziehen und Vögel ihre Kreise drehen.

Der junge Mann ist tief beeindruckt. Seine Lieder quellen über von Dank und Freude. Die Leute in der Gegend wissen davon. Bald schon beginnen sie die Höhle Neandershöhle zu nennen; später reden sie vom Neanderthal.

Joachim wird nur knapp 30 Jahre alt. Die Pest hat ihn wohl erwischt. Niemand weiß, wo er begraben liegt. Doch seine Lieder bleiben. Und sein Name. Als 1856 in seinem Tal uralte Skeletteile entdeckt werden, bekommt der Urmensch den Namen des Fundortes: der Neandertaler. Ein entfernter Verwandter von uns.

„Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet. / Der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.“ So dichtete Joachim Neander. Lang ist’s her. Aber gesungen wird sein Lied bis heute. Weil sich so viele danach sehnen, so etwas zu sagen:

„In wieviel Not / hat nicht der gnädige Gott / über dir Flügel gebreitet.“

Bleiben Sie wohlbehütet an diesem Sonntag,

wünscht Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg


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