Neema heißt Gnade

„Hallo, ich hätte gern noch was zu trinken…“ so ruft es unser tansanischer Reisebegleiter der Bedienung im Restaurant hinterher. Der junge Kellner, der hier bedient, ist noch gar nicht weit weg vom Tisch, aber er geht schnurstracks zur Theke weiter. Dem Kellner nachbrüllen hilft hier nichts. Alle, die in diesem tansanischen Restaurant bedienen, sind taub. Hätte er wissen können, unser Begleiter. Als er es merkt, muss er lachen. Stimmt ja, hier läuft das anders.
Für unsere Bestellung gibt die Bedienung einen kleinen Zettel herum, auf dem wir selber alles notieren. Das klappt super – schwierig ist nur, wenn einem danach noch etwas einfällt, was man dem Kellner zurufen möchte.
Für die Menschen, die in diesem Restaurant arbeiten, ist dies eine einmalige Chance. Die Förderung von Menschen, die nicht hören können, steckt in Tansania noch in den Kinderschuhen. Und ich finde es prima, dass diese besondere Situation auch uns als Gästen etwas abverlangt. Wir sind es, die im Umgang mit den tauben Menschen lernen müssen. Und wenn es gut geht, schmunzeln wir über uns selbst, weil wir so eingefahren sind. Neema Craft, so heisst dieses besondere Restaurant. Neema heißt Gnade. Und hier sind alle gnädig miteinander – mit den eigenen Einschränkungen und mit den festgefahrenen Gewohnheiten.

Einen behüteten Tag wünscht Pfarrerin Katja Albrecht aus Merseburg