14.09.2016
Richtig reich

Am reichsten sind Menschen, die auf das Meiste verzichten können. Ein guter Wahlspruch für heute. Und eigentlich für jeden Tag. Bei uns in Deutschland ist das aber ein ungewohnter Gedanke. Bei uns heißt „reich sein“ ja gerade: viele Dinge besitzen. Am reichsten sind Menschen, die auf das Meiste verzichten können. Ich denke da zum Beispiel an unseren Zelturlaub. Wir haben nur die Sachen dabei, die wir wirklich brauchen und vieles, was wir im Alltag haben, eben nicht. Keinen Fernseher, keinen Computer. Und die Zeit im Zelt, auf einfachen Matten, mit einfachem Essen ist doch so viel reicher als der Alltag. Es bleibt viel mehr Zeit für das Miteinander – und so mancher lästige Streitpunkt entfällt – ab wann darf für wie lange ferngesehen werden, zum Beispiel. Der Dichter Rabindranath Tagore aus Indien dachte bei seinem Spruch aber nicht an den Urlaub. Er hat durch seine Dichtung die Menschen darauf hingewiesen, dass es nicht nur das gibt im Leben, was wir haben und anfassen können. Sondern dass es einen Kern in jedem Menschen gibt, um den wir uns auch kümmern sollten. Einen Kern, der von Gott ist. Einen Kern, der uns als Menschen ausmacht, ganz egal, was wir können und haben. Tagore ist schon vor 75 Jahren gestorben. Seine Dichtkunst passt immer noch.
Einen reichen, gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Pfarrerin Katja Albrecht aus Merseburg


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