15.05.2019
Trauer

»Über alle Gräber wächst zuletzt das Gras,

alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,

wohl der schlechteste, den man kann erteilen:

armes Herz, du willst nicht, dass die Wunden heilen.

Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;

Das Verschmerzte nur ist tot und abgetrennt.«

Friedrich Rückert nimmt mit seinen Worten das trauernde Herz in Schutz. Er verteidigt den Schmerz gegen den schnellen Trost. Ich kann mir nur vorstellen, dass er aus eigener Erfahrung spricht. Von den Momenten, wo einem nur der Schmerz bleibt. Man will von dem Gras nichts wissen, das darüber wächst.  Denn an dem Schmerz hat man noch, was der Tod einem genommen hat. Er liegt in den Bildern, die bleiben, er liegt in den Erinnerungen, die auftauchen, er liegt in den Gesprächen, die noch nicht abgeschlossen sind.

Es wird Zeit vergehen. Und Zeit wird heilen. Aber der Rhythmus dieser Zeit ist ganz verschieden. Trauer ist verschieden, so verschieden wie wir selbst sind. Lassen wir den Trauernden ihre Freiheit.

Lassen wir sie ihren eigenen Weg gehen. Auch in dem, was uns von außen unverständlich erscheint. Wir lassen die Trauernden nicht allein. Aber wir geben ihnen den Raum, den sie brauchen. Wir halten ein Stück mit aus, was nicht zum aushalten ist. Und, wer mag, wir begleiten sie in unseren Gebeten.

Pfarrer Christian Buro, aus Beuster


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