Angedacht, MDR, Radio, Radio-Andacht, Radio-Andachten, Radioandacht, Radioandachten,

22.04.2022
Vergeben trainieren

Sorry, Entschuldigung, gehört zu den häufigen Wörtern, die ich immer wieder bei Gesprächen höre. Ich selber sage auch oft „Entschuldigung“, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Das meine ich spontan auch so, aber im Grunde ist es doch oft eine Floskel. Als könnte ich mich damit mal eben selbst meiner Schuld entledigen. Viel schwerer fällt es mir, das als konkrete Bitte auszusprechen „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Als Petrus seinen Lehrer Jesus einmal fragt, wie oft er seinem Bruder denn vergeben muss, ist Jesus ziemlich kompromisslos und antwortet: „sieben mal siebzig mal“. – Gefühlt also immer. Besonders in Erinnerung ist mir geblieben, dass wir, bevor wir zur Kirche gingen, uns als Familie im Kreis aufstellten und unsere Eltern uns Kinder um Verzeihung baten: „Vergib mir mit allem was ich gefehlt habe“. – Und die Antwort war: „Ich verzeihe dir von Herzen, du hast mit nichts gefehlt.“ Es ist leichter zu vergeben, wenn man selbst die Erfahrung gemacht hat, dass die Bitte um Vergebung ernst gemeint ist, auch von Menschen die größer, älter und stärker sind als man selbst. Und auch die Vergebung in Worte zu fassen und auszusprechen, hilft zu verstehen, dass Entschuldigung nie einseitig funktioniert. Sie ist ein gemeinsamer Akt, der manchmal viel Zeit braucht und der nicht selbstverständlich ist. Aber es ist nie zu spät dafür. (Ihr) Johann Schneider, evangelischer Regionalbischof aus Halle


Bleiben Sie mit unseren Newslettern auf dem Laufenden.

Hier Abonnieren

Die besten News per E-Mail - 1x pro Monat - Jederzeit kündbar