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03.02.2017
Vergebung

Es war ein wirklich schöner Abend. Nach dem Konzert waren wir durch die Stadt zum Bahnhof gelaufen und hatten uns dabei noch schnell ein Bier gekauft. Deswegen setzten wir uns im Zug auch an den Vierertisch. Nochmal anstoßen, den Abend ausklingen lassen auf der Rückfahrt, so hatten wir uns das gedacht. Und stellten unsere Bierdosen zu dem Pappbecher des Mannes, der da schon saß. Was dann passierte, weiß nicht mehr ganz genau – auf jeden Fall stieß unser Mitreisender seinen Becher um und überschwemmte mich mit heißem Tee. Auf dem Boden war nicht viel gelandet, denn meine Hose hatte schon alles aufgesogen. Dann das übliche: Alle verfügbaren Taschentücher, schnell aus dem Bordbistro geholte Servietten – das nützte nun auch nicht mehr viel.
Dem Teetrinker war das furchtbar unangenehm. Er entschuldigte sich tausendmal, bot mir an, die Reinigung zu bezahlen oder ein Taxi, um in der Kälte nach Hause zu kommen. Aber wir hatten ja das Auto am Bahnhof und ich würde die Jeans zuhause einfach schnell in die Maschine stecken. So etwas kann passieren. Mir doch auch. Und Bier auf der Hose wäre schlimmer als warmer Pfefferminztee. Wir hatten ja gemerkt, wie leid es ihm tat und dann war es auch gut. Kein Grund, sich den schönen Abend verderben zu lassen.
Ich habe gedacht: So müsste es immer sein. Dass man es gut sein lässt, wenn man spürt, dass es dem anderen leid tut. Und dass man immer dran denkt: Mir könnte das auch passieren. Und dann wäre ich froh, wenn der andere so freundlich reagiert. Bei Gott heißt das Vergebung. Wir haben darauf angestoßen, da am Vierertisch.

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen
Pfarrerin Kathrin Oxen aus der Lutherstadt Wittenberg


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