Was Weihnachten kann

Wenn die letzten Vorbereitungen getroffen und alle zuhause sind, dann fahre ich los. Wie in jedem Jahr habe ich am Heilig Abend zwei Gottesdienste. Ich bin eben Pfarrerin.
Bei uns ist der Vormittag heute ein bisschen hektisch, denn es ist immer noch was zu tun: Wir schmücken den Baum, ich packe die letzten Geschenke ein. Mittags gibt es was Schnelles und dann packe ich schon meine Sachen für den Gottesdienst zusammen.
Wenn ich dann unterwegs bin, sind die Straßen leer. Eine große Stille breitet sich aus. Alle sind jetzt zuhause. Es fühlt sich an, als würde ich ganz alleine durch den dämmrigen Nachmittag fahren. Was Weihnachten kann, denke ich. Einmal im Jahr, nur ein paar Stunden lang, macht es uns still. Alle Listen abgehakt, alles eingekauft, alle angekommen. Nun warten wir auf den Abend.
Ich kenne dieses Gefühl gut. In den Tagen, bevor meine Kinder zur Welt kamen, war es genauso. Irgendwann war alles vorbereitet. Ich konnte nur noch abwarten. Ich erinnere mich an ruhige, schöne Tage. Keine Pläne. Einfach warten, was kommt. Ich konnte und musste auch nichts mehr tun.
Es wäre schön, wenn ich diese Weihnachtsstille von draußen mit nach drinnen nehmen könnte. Zu uns nach Hause, aber vor allem in mein Herz. Es ist doch alles bereit. Wir müssen nichts tun. Denn Gott kommt zu uns.

Stille am Heiligen Abend und ein frohes Weihnachtsfest wünscht Ihnen
Pfarrerin Kathrin Oxen aus der Lutherstadt Wittenberg