Demokratie lernen

Stolz kommt meine Tochter nach Hause.  „Ich bin zur Klassensprecherin gewählt geworden!“ Der Stolz bleibt, auch als sie mitbekommt, dass der Job durchaus Ärger bringen kann und Durchsetzungskraft braucht. Sie lernt viel in diesem Jahr über demokratische Spielregeln.

Klassensprecher, Elternsprecher, Vereinsvorsitzende, Kirchgemeinderäte. Überall gibt es Menschen, die sich ehrenamtlich einsetzen, um etwas gut voranzubringen. Und jeder, der schon mal in einem Gremium gesessen hat, weiß, dass dies zwar mit Arbeit verbunden ist, aber wenn es gut läuft, macht es zufrieden.

Neulich höre ich im Radio von einem Pilotprojekt in Bonn. Dort soll es solche Beiräte auch in  Flüchtlingseinrichtungen geben. Es ist ein Versuch, von Anfang an Demokratie und Mitbestimmung einzuüben. Vor allem für Menschen, die bislang keine demokratische Ordnung kannten. Nicht nur Anordnungen von oben bekommen, sondern selbst organisieren. Wer den Müll raus bringt, wie laut die Musik sein darf, wie Streit geschlichtet wird.

Es ist ungleich schwieriger als in der KiTa oder der Kirchengemeinde, das hinzukriegen. Da ist die hohe Fluktuation in Flüchtlingsheimen. Menschen verschiedenster Nationalitäten leben beieinander. Umso wichtiger sind solche Beiräte.

Überall. Demokratie lernen durch Tun. Klein anfangen, ob als Klassensprecherin oder im Flüchtlingsbeirat.

Ich glaube nämlich: Wir Menschen sind geschaffen, um uns zu entwickeln. Und Verantwortung zu übernehmen. Da, wo wir leben. Für uns selbst und für andere.

Einen guten Tag wünscht aus Eisenach Cornelia Biesecke.