Die Landeskirche nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem Einmarsch westalliierter Truppen im April 1945 drängten die Eisenacher Pfarrer Moritz Mitzenheim (Lutherische Bekenntnisgemeinschaft), Erich Hertzsch (Religiöse Sozialisten) und Gerhard Kühn (Wittenberger Bund) den deutsch-christlichen Bischof Hugo Rönck zum Rücktritt.

Doch erst mit dessen Verhaftung durch die amerikanische Militärpolizei wurde Anfang Mai 1945 die Voraussetzung für eine Neuordnung der Landeskirche auf der Grundlage von Schrift und Bekenntnis geschaffen. Moritz Mitzenheim, ab 1943 amtierender Vorsitzender der Lutherische Bekenntnisgemeinschaft, wurde zum Bischof ernannt.

1951 verabschiedete die Synode eine neue Verfassung. Drei Jahre vorher, 1948, war die Landeskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beigetreten. Der gleichzeitige Beitritt zur Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und dem Lutherischen Weltbund markieren Stationen einer Neuorientierung nach dem Krieg, die die Landeskirche auch mit der Umbenennung in "Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen" deutlich machte.
Im Zuge dieser Neugestaltung der Landeskirche wurde die Ausbildung reformiert. Einen Neuanfang gab es auch in der Publizistik (Die Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“ wurde 1946 neugegründet). Neu aufgenommen wurde auch die Arbeit der Diakonie (Innere Mission und Hilfswerkspäter: Diakonisches Werk), der Pädagogik (Religionsunterrricht, später: Christenlehre) und der Kirchenmusik.

Unter den Bedingungen der SED-Diktatur wurde vorwiegend über Direktgespräche zwischen Landesbischof und politisch Verantwortlichen versucht, "Lebensraum für die Kirche" zu schaffen. Den staatlichen Maßnahmen brachte man jedoch zunehmend Verständnis entgegen. Zunächst war gegen staatliche Übergriffe, wie die Zwangsumsiedlungen von Gemeindegliedern aus dem DDR-Grenzgebiet 1952 und die Liquidierungsversuche der kirchlichen Jugend- und Studentenarbeit 1953 von Bischof Mitzenheim noch protestiert worden, später unterblieb jegliche Kritik an den politischen Rahmenbedingungen. Einen Einschnitt bildete der verlorene Kampf gegen die Jugendweihe und das vom Rechtsdezernenten OKR Gerhard Lotz verfasste „Kommunique“ aus dem Jahre 1958. Der sogenannte "Thüringer Weg" führte zu starken Spannungen sowohl innerhalb der Landeskirche als auch mit anderen Landeskirchen.
Der Nachfolger von Moritz Mitzenheim, Ingo Braecklein (1970-1978), war zuvor aktiv an der Vorbereitung zur Gründung des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR (1969) beteiligt. Mit der Einbindung und regen Mitarbeit der Landeskirche in diesem Kirchenbund ergab sich ein Abbau der aufgetretenen Spannungen und eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit der Kirchen untereinander.

Friedensgebet 1989 in der Eisenacher Georgenkirche.Über Mauer und Stacheldraht hinweg verbanden vielfältige Partnerschaften die thüringische mit der württembergischen evangelischen Landeskirche.
In den 70er und 80er Jahren fanden sich – wie auch andernorts im Osten Deutschlands – unter dem Dach der Kirche verschiedene Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen zusammen. Diese bildeten einen wesentlichen Motor der friedlichen Revolution 1989. In den „Wende“-Monaten 1989/90 standen viele Thüringer Kirchen zu Gebet und Gespräch offen.
Das Bischofsamt bekleidete in dieser Zeit Werner Leich (1978-1992). Seine Wahl war von den staatlichen Behörden nicht gewünscht gewesen. 1986 wurde er zum Vorsitzenden der Konferenz der Kirchenleitungen in der DDR gewählt. Im Thüringer Bischofsamt folgten ihm Roland Hoffmann (1992-2001) und Christoph Kähler (seit 2001).

 

Weitere Literatur:
Ernst Koch: 75 Jahre Protestantismus in Thüringen 1921 - 1996; Beobachtungen zum Weg einer jungen mitteldeutschen Landeskirche. In: Blätter des Vereins für Thüringische Kirchengeschichte e.V. 7 (1997) Heft 1, S. 6-14

 

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