PM 131 | 18.11.2009
EKM-Synode in Wittenberg beginnt mit Rede von Bischöfin Junkermann

„Mit Menschen in Schubladen lässt sich nicht Gesellschaft bauen“
„Aufgabe für Luther-Dekade: Volk aufs Maul schauen“

Mit dem Bericht von Landesbischöfin Ilse Junkermann hat heute Nachmittag (18.11.) die viertägige Sitzung der Landessynode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in Lutherstadt Wittenberg begonnen. In ihrer Rede vor dem 83-köpfigen Kirchenparlament versicherte Junkermann, sie sei nach ihren ersten zehn Wochen im Amt gut in „Luthers Heimat“ angekommen.

Sie habe schon viel von Mitteldeutschland gesehen und werde herzlich aufgenommen. In den Gemeinden spüre sie den Willen, sich kraftvoll in die neue Kirche einzubringen. Das neue Bischofsamt mache die Fusion nach außen sichtbarer. Offensichtlich sei, dass die EKM mehr ist als die Summe der beiden früheren Landeskirchen. Die Vielfalt der Regionen sei geradezu nötig für die neue Landeskirche. Diese Erkenntnis sei noch nicht selbstverständlich, sondern werde hin und wieder durch früheres Proporzdenken behindert.

Die Erfahrung, als Kirche wesentlich zur friedlichen Revolution beigetragen zu haben, sei in den letzten Wochen wieder neu vergegenwärtigt worden. Die Kampagne „1989-2009 | Gesegnete Unruhe“ habe „in Erinnerung gerufen, welche inneren Kräfte und Anliegen die Menschen in allen Regionen unserer Landeskirche, auch mit Menschen außerhalb der Kirche, verbinden“, so die Landesbischöfin. „Sich als Kirche in kritischer Situation und ohne das gute Ende absehen zu können, bewährt zu haben, das ist große Ermutigung für ein entschiedenes Mitgestalten der Gesellschaft heute.“ Junkermann setzte sich in ihrer Rede zudem für Versöhnung ein: „Auch wenn viele in unserer Kirche während und unter der DDR-Zeit gelitten haben und sich berechtigt als Opfer verstehen, sollten wir Menschen, die dem Regime nahe standen, nicht in Schubladen sperren. Mit Menschen in Schubladen lässt sich nicht reden und nicht Gesellschaft bauen.“ Eine Versöhnung, auch mit denen, die einst bespitzelt und verraten haben, sei eine Aufgabe, die noch mehr vor als hinter der Kirche liege.

Das Selbstbewusstein, mit dem im Herbst ’89 die Bürgerinnen und Bürger „Wir sind das Volk“ gerufen hätten, begegne ihr auch in der Landeskirche. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung hätte die EKM zwar weniger Mitglieder als westdeutsche Landeskirchen. Die Kirchengemeinden würden jedoch auch bei Schwierigkeiten nicht vor sich hin dämmern, sondern anpacken, „was dran ist“ und ganz selbstverständlich sagen: „Wir sind Kirche.“ Junkermann benannte als Aufgabe, stärker Menschen anzusprechen, die der Kirche distanziert gegenüberstehen: „Es muss uns in eine ‚gesegnete Unruhe’ versetzen, wie sehr unsere Gemeindearbeit auf nur einen kleinen Teil der Gesellschaft, auf ein vorherrschendes Milieu bezogen ist.“ So müssten zukünftig Nicht-Getaufte und Ausgetretene intensiver angesprochen werden. Sie selbst kündigte an, alle Ausgetretenen persönlich anzuschreiben und sie nach den Gründen für den Austritt fragen zu wollen.

Im Blick auf die Luther-Dekade und das bevorstehende Reformationsjubiläum 2017 erwartet Junkermann, dass die Kirche lerne, dem „Volk aufs Maul zu schauen“: „Dass die Menschen verstehen, was wir als Christen glauben. Dass wir selbst einfach sagen können, was wir glauben, ja, dass wir unseren Glauben in einer Sprache zum Ausdruck bringen können, die Menschen anspricht und die uns selbst anspricht, so dass wir uns nicht genieren oder gar schämen. – Wie weit sind wir davon noch entfernt!“ Die Bischöfin sprach sich auch dafür aus, die Themen vorzunehmen, „die in der Geschichte unseres Landes eine sehr negative bis verheerende Wirkung hatten. Ich nenne nur Luthers Äußerungen zu ‚den Juden’, aber auch die über die aufrührerischen Bauern.“ Ein großes Anliegen sei ihr, das christliche Bild vom Menschen in aktuelle gesellschaftliche und kirchliche Diskussionen einzubringen.

RÜCKFRAGEN

Friedemann Kahl, 0151/59128575 oder Ralf-Uwe Beck, 0172/7962982

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