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Kirchengemeinde verkauft Seife aus Syrien

Hersteller erhält eine Perspektive für seine Familie

Die Evangelische Kirchengemeinde Rüdersdorf-Kraftsdorf verkauft eine halbe Tonne Seife aus Syrien. Der Betrieb von Avedis Titizian aus Kessab war 2014 komplett zerstört worden. Er erhält die kompletten Einnahmen aus dem Verkauf der Oliven-Lavendelseife in Bio-Qualität abzüglich Einfuhrumsatzsteuer, Transport und Logistik, um investieren zu können. Knapp 10.000 Euro fließen so nach Kessab zurück. Bestellungen sind per Mail möglich: Christiankurzke@web.de.

Das „Back to the Job-Programm“ der Kirchengemeinde bietet Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir verkaufen eine Seife mit Geschichte. Jedem Stück liegt ein Flyer bei, in dem von unserem Seifenmacher erzählt wird. Man kann die Seife mit gutem Gefühl kaufen und hilft konkret Menschen, damit sie eine Zukunft haben“, wirbt Pfarrer Christian Kurzke. „Die Leute finden es gut, dass sie so einen Teil am Wiederaufbau Syriens leisten können statt ohnmächtige Zuschauer der Weltpolitik zu bleiben. Solche Hilfe ist unsere Christenpflicht – eine Kirchengemeinde sollte nicht nur die Kirche instand setzen und die Orgel reparieren, sondern auch über den Tellerrand rausschauen“, betont Kurzke.

Der Pfarrer, der mehrfach in Syrien war, empfindet die Förderung vieler kleiner Projekte sehr effektiv und zudem als wichtiges Zeichen. „Viele Menschen in Syrien fühlen sich vergessen von der Welt, weil offiziell keine europäische Entwicklungshilfe erlaubt ist – man macht sich sogar strafbar, wenn man direkt hinfliegt“, erklärt Kurzke. Andere Länder investierten längst, so baue die Schweiz in Zusammenarbeit mit der UN den Souk in Homs wieder auf. „Jeder kleine Laden bietet eine berufliche Perspektive für eine Familie. Es wäre wichtig, dass auch Deutschland mit neutralen Partnern zügig Aufbauarbeit leistet statt nur militärische Optionen durchzurechnen. Helft mit, dass wir helfen können – das ist mein großer Wunsch an die Politik“, so der Pfarrer.

Die 3.600 Stück Seife kommen mit Luftfracht, ein Logistikunternehmen übernimmt Laboruntersuchungen, Einfuhr in die EU und Transport. Mit Konfirmanden wird die Ware im Pfarrhaus eingelagert, und einmal pro Woche ist Verpackungstag mit Eltern, die dafür die Wartezeit während der Kinderchor-Probe nutzen. Die Tüten hat eine Firma aus dem Ort gesponsert. Das Stück Seife kostet 3,50 Euro plus Porto. Pakete gehen nach ganz Deutschland und Österreich sowie in die Schweiz. So bestellt ein Unverpackt-Laden aus dem Ruhrgebiet große Mengen und Studenten verkaufen die Seife auf einem sozialen Weihnachtsmarkt in Bochum.

Die Kirchengemeinde unterstützt zahlreiche weitere Hilfsprojekte im Irak, in Syrien und im Libanon. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gibt jährlich 80.000 Euro dazu. Anfangs ging es um Nothilfe, jetzt liegt der Schwerpunkt auf Bildungsprojekten, zum Beispiel als Schulgeld-Beihilfe, Schülertransport, Schulessen, Nachhilfe und Baumaterial.

Weitere Informationen im Internet: https://www.kirche-kraftsdorf.de/

RÜCKFRAGEN

Pfarrer Christian Kurzke, 036606-84412