Gut und gern schreiben für andere

Wichtige Grundregeln für Texte

„Schreiben ist harte Arbeit. Ein klarer Satz ist kein Zufall!“ (William Zinsser, amerikanischer Autor und Lektor)

Vor dem Schreiben:
Wer ist meine Leserin/mein Leser?
Worüber schreibe ich? (Bibelwort/Mensch/Ereignis)
Was ist besonders/interessant für die Leserin/den Leser?
Was will ich sagen?

Nach dem Schreiben:
Sind alle wichtigen Infos drin (W-Fragen)? bzw. Habe ich gesagt, was ich sagen wollte?
Stil überprüfen
Der erste Satz
Das ist der Köder, mit dem Sie den Leser fangen. Der muss sitzen, deshalb kurz und ohne Fremdwörter.
Notfalls einen Dummy schreiben, den Sie noch tausend Mal ändern können.

Die Überschrift/Betreffzeile
… ist das Schwerste, denn sie muss in wenigen Worten das Wichtigste ausdrücken.
Daher: Erstmal den Text schreiben und dann bei 90° im Backofen ruhen lassen.
Anregungen aus guten Zeitungen und Zeitschriften holen.

Aller Anfang
… ist auch beim Schreiben schwer. Mögliche Einstiege: Szene, Fakt, Behauptung, Frage, Gedankenspiel, Zitat.

… und dann wollte ich noch… Von der Kunst, zum Ende zu kommen
Am Schluss ist schluss. Nicht schwafeln. So schafft man ein happy End: schlussfolgern,
einen Ausblick geben, den Anfang wieder aufgreifen und einfach aufhören.

Wortwahl:
Verben vor Substantive

Verben bringen Handlung in einen Text und bewegen, also anstelle von Substantiven treffende Verben einbauen.
Nicht nur sein und haben, durchführen, stattfinden verwenden, sondern lebendige Verben.
Zusammengesetzte Substantive vermeiden: Donauschifffahrtskapitänsmützenhaken.
Substantive raus wo’s geht – Fremdwörter erst recht!!!
Substantive auf -keit und -ung zeigen eine Verkomplizierung der Sprache an.

Beratung >
Eröffnung >
Familienfeierlichkeit >
eine Umstrukturierung durchführen >
eine Zweiteilung vornehmen >
Vermeidung einer Frustrierung Ihrer Leserschaft >
in Ermangelung eines Leiters

Adjektive bevormunden
Ob eine Initiative zum Beispiel gut ist oder nicht, kann und sollte der Leser selbst entscheiden. Schreibt man von einer idyllischen Landschaft, dann stellen sich Schweizer ihre Almwiesen vor und wir uns vielleicht die Nordseeküste. Oft sind Adjektive ungenau und überflüssig. Lieber ein wenig Zeit für Umschreibungen nehmen, lieber malerisch (nicht kitschig) schreiben und konkret werden, das heißt: mit lebendigen (nicht konstruierten!!!) Beispielen arbeiten! Nah ran gehen! Gern auch mal Metaphern pflanzen oder mit Worten spielen. Alle Sinne bedienen! Die Mühe lohnt sich!

ein literarisches Werk >
positive Entwicklungen >
kritische Anmerkungen >

Oft helfen Vergleiche, etwas anschaulich zu machen, also statt eines Adjektivs eine Konstruktion mit „wie“ oder „als ob“ verwenden:

das Haus war rot >
er lief schnell >
das Gebet war lang >

Kurz vor lang: Füllwörter, unnötige Silben und Floskeln streichen
Immer überlegen: Welche Worte brauche ich wirklich, um mich klar auszudrücken?
Wortkombis wie und dann, jetzt mal usw. und überflüssige Worte streichen.
Unnötige Silben weglassen.
„Sprachkürze schafft Denkweite“ (Sartre)
Steckt wirklich in JEDEM SATZ eine neue Info? Ansonsten: Weg damit!

aufzeigen >
zusammentreffen >
Beantwortung >
Unterschiedlichkeit >
Studentenschaft >
eine Vielzahl von Büchern >
mit großer Sorgfalt >
in vollem Umfang >
in ihrer Gesamtheit >
in Anbetracht des Ansturms >
meistens >

Ja vor Nein
Wir sagen eher: So ist es! statt So ist es nicht! Amen.

Weg mit:
Passiv

Es wurde lange gesungen. >
Die Orgel wurde eingeweiht. >
Der Termin fand am Samstag statt. >
Sie wurde geärgert. >

Infinitiv: zu helfen
Plusquamperfekt: ich hatte geholfen, mir war geholfen worden
Präteritum: ich half > Erzählform: IMMER Präsens!
Konjunktiv: ich hätte helfen können

Sätze:
Hüte dich vor Monstern!

Sie haben ein Gegenwartsfenster von 12 Silben, also ca. 6 Worten. In diesem Fenster müssen Sie Ihre Info rüberbringen, dann schaltet der Leser ab. Das heißt: Verben (v.a. Infinitiv mit zu) zusammenziehen und Attribute (Worte, die Substantive näher beschreiben, Bsp: schnarchender Hund) vermeiden!

Liebe den Hauptsatz!
Die Hauptsache immer in den Hauptsatz. Nebensätze nicht noch einmal verschachteln. Auf die Chronologie achten!

Das Wichtigste zuerst
Hier kannst auch gern mal wie ein Dichter werden und geläufige Satzgliedstellungen sprengen.
Ein Beispiel von Rilke: „Wenn ich gewachsen wäre irgendwo, wo leichtere Tage sind und schlanke Stunden …“ Hier betont Rilke gewachsen vor irgendwo.

Wenn’s mal kompliziert wird
Kompliziertes doppelt sagen und erklären!
Bsp: Wir sprechen hier von einer indikativischen Aussage, das heißt: Diese Aussage ist für uns wahr, etwas IST so und so.
Wenn Sie kürzen müssen, dann lieber Fakten raus und die wenigen Fakten genau beschreiben und mit Beispielen belegen.
Auch gern mit Kursivstellung oder in GROSSEN Buchstaben das Wichtigste betonen.
Zahlen in Vergleichen.
Bsp: Wenn Facebook ein Land wäre, dann wäre es das fünftgrößte der Erde.

Satzzeichen
Wir haben sieben Stück: , ! ? ; : –. Alle sollten auf einer A4-Seite mindestens einmal vorkommen!
> Den Leser durch den Text führen.

Nicht den richtigen Ton treffen, sondern den angemessenen
„Schreibe wie du sprichst, dann schreibst du schön“ (Lessing). Texte sind Kommunikation. Daher ist es besonders wichtig, authentisch zu schreiben. Mit der Zeit treffen Sie einen angemessenen Ton und finden Ihren Stil. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch.

Nach dem Schreiben:

  • unnötige Worte und Silben streichen
  • Habe ich gesagt, was ich sagen wollte?
  • Stimmen die Fakten?
  • Punkte in andere Satzzeichen umändern, Satzzeichen verteilen


George Orwells Tipps für einen guten Schreibstil:

  • 1. Never use a metaphor, simile, or other figure of speech which you are used to seeing in print. (Benutze nie eine Metapher, einen Vergleich oder eine andere Sprachfigur, die du oft in Printmedien siehst.)
  • 2. Never use a long word where a short one will do. (Benutze nie ein langes Wort, wenn es auch ein kurzes tut.)
  • 3. If it’s possible to cut a word out, always cut it out. (Wenn du ein Wort streichen kannst, dann immer raus damit.)
  • 4. Never use the passive, where you can use the active. (Benutze nie das Passiv, wenn du auch aktiv schreiben kannst.)
  • 5. Never use a foreign phrase, a scientific word or a jargon word if you can think of an everyday English equivalent. (Gebrauche niemals eine Fremdwort, einen Fachbegriff oder einen internen Begriff, wenn es einen gleichwertigen in der Alltagssprache gibt.)
  • 6. Break any of these rules sooner than say anything outright barbarous. (Brich eher jede dieser Regeln, als etwas absolut Babarisches zu sagen.)

Zum Download: Gut_und_gern_schreiben_KKM.pdf (pdf-Datei; Dateigröße 33 KByte)