Altweiberfasching

Liebe Männer, ich hoffe, Sie haben heute daran gedacht keine teuren Krawatten zu tragen. Es ist Altweiberfasching! Und da könnte eine freche Frauenhand mit flott gezückter Schere das gute Stück ungestraft verstümmeln.

Also Hauptsache, Sie verstehen Spaß! Sonst haben Sie jetzt noch die Chance, die Krawatte rasch verschwinden zu lassen. Denn eigentlich dürfte vor 11 Uhr 11 ja nichts passieren. Aber sicher ist heute gar nichts.

Dabei hat sich der Altweiberfasching doch längst überholt. Er stammt aus den Zeiten, wo nur Männer das Sagen hatten. Immer am letzten Donnerstag vor Aschermittwoch wurde „verkehrte Welt“ gespielt. Frauen stürmten die Rathäuser und übernahmen einen Tag lang die Macht. Als erstes schnitten sie den Männern das Herrschaftszeichen - nämlich ihre Krawatte - ab. Wer die Macht hat, kann eben Andere in ihren Rechten und Ansprüchen beschneiden.

Aber heutzutage? Wir haben eine Bundeskanzlerin, es gibt Ministerinnen und auch eine Bischöfin. Also die Frauen spielen doch längst in der ersten Liga! Ich finde, Altweiberfasching ist nicht mehr zeitgemäß. Aber was dann?

Was wäre heute „verkehrte Welt“?

Wer steht ganz unten in der Hierarchie?

Kinder? Flüchtlinge? Oder vielleicht bestimmte Berufszweige?

Stellen wir uns doch mal vor, heute wäre Altenpflegefasching. Die würden heute um 11 Uhr 11 überall die Macht übernehmen und die Zentralen der Krankenkassen stürmen. Sie würden den Vorständen alle Schnürsenkel klauen und neue Gesetze beschließen. Was sich dann wohl ändern würde...?

Das wäre übrigens ganz im Sinne der Bibel. Die sagt: Bei Gott werden die Ersten die Letzten sein und die Letzten die Ersten.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg