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18.09.2023
Besser umkehren

In diesem Sommer war zu Fuß auf der Via Transylvanica in Siebenbürgen unterwegs. Großartiger Weg. Meine alte Heimat. Ich wollte Zeit dafür. Der Weg ist ausgeschildert. Ich wollte ich unbedingt darauf achten, die orangen Markierungen mit dem großen „T“ an Bäumen und Masten zu erkennen, um sicher zu sein, dass ich mich nicht verlaufe. Eines Tages nach mehreren Stunden zu Fuß durch dichten schönen Buchenwald war ich sehr sicher, wie der Weg auf dem Kamm weitergeht, und habe nicht mehr genau hingesehen, ob ich Markierungen sehe. Mitten auf einer schönen Waldlichtung auf einer herrlich blühenden Wiese und einer Vielzahl summender Insekten wusste ich nicht mehr weiter. Ich suchte und suchte nach einer Markierung, fand aber keine. Was ich aber sah, waren frische Bärenspuren und die stinkende Hinterlassenschaft eines Bären. In meinem Kopf liefen gleich mehrere Filme ab, was ich jetzt tun müsste, wenn ein Bär vor mir stehen würde. Mein Puls stieg und stieg und mitten im Stoßgebet, habe ich entschieden abzubrechen und umzukehren. Besser umkehren und am nächsten Tag wieder neu starten, anstatt im Wald auf Bären zu treffen. Ja – ich weiß, Bären und wilde Tiere werden einmal fromm und zahm, völlig ungefährlich – aber erst im Himmel. Das zumindest glauben wir Christen. So ist der Himmel. Da ist keine Gefahr mehr. Auf Erden aber ist es besser umzukehren und den Bären aus dem Weg zu gehen.

Johann Schneider, evangelischer Regionalbischof aus Halle.


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