18.05.2019
Die Nachtigall

Zum Glück hat sie es uns nicht übel genommen. Sie ist in unseren Garten zurückgekehrt. In der Nacht zum Ostersonntag haben wir ihren Gesang das erste Mal wieder gehört. Dieses Schmettern und Tirilieren. Das Klagen und Singen. Die Nachtigall war zurück.

Der Grund für mein Befürchtung: Im Herbst und Frühjahr hatten wir aufgeräumt im Garten, der über die Jahre von Brombeeren und Brennnesseln zugewuchert war. Nun sollte der Garten wieder etwas ansehnlicher werden. Aber wir wußten, Nachtigallen lieben unaufgeräumte Hecken. Also ließen wir manches so verwildert, wie es war. Doch was, wenn wir damit schon zu weit gegangen waren? Was, wenn sie bei uns keinen Platz mehr für ihr Nest findet?

Vielleicht schmunzeln Sie jetzt über meine Natur-Romantik. Aber während ich das hier schreibe, höre ich die Nachrichten, dass eine Million Arten weltweit vom Aussterben bedroht sind. Und der Grund ist immer der Gleiche. Wir sind nur ein kleiner Teil von Gottes Schöpfung. Aber wir dehnen unsere Bedürfnisse grenzenlos aus. Und verdrängen alles andere. Ich frage mich: Mit welchem Recht?

Ich bin jedenfalls froh, dass sie wieder da ist. Und als nächstes werde ich darüber nachdenken, ob ich nicht auch der Rasen etwas mehr wuchern darf.

Pfarrer Christian Buro, aus Beuster.


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