Don Camillo

Ich hab‘ ihn geliebt!  
Don Camillo - dieser italienische Filmklassiker war Kult. Der Priester Don Camillo liegt im Dauerstreit mit dem kommunistischen Bürgermeister Pepone.  Sie bekämpfen sich mit derben Tricks. Aber wenn es drauf ankommt, da lassen sie keinen hängen.

Manchmal redet Don Camillo mit dem Kruzifix in seiner Kirche. Denn Jesus soll Don Camillo ein Zeichen geben. Meist geht es darum, ob er Pepone eins auswischen darf. Und Jesus antwortet. Wenn auch nicht immer so, wie Camillo sich das wünscht.

Jesus in der Marktkirche in Halle gibt auch Zeichen. Jeder, der ihn besucht, kann es sehen. Ein beeindruckendes Kruzifix! Peter Hinz, ein Metallgestalter aus Halberstadt, hat es geschaffen.

Die linke Hand ist nach hinten verrenkt. Sie hängt fest am Kreuz aus Stahl. Aber seinen übrigen Körper stemmt Jesus weit vor - und streckt mir dabei seine andere Hand entgegen. Das ganze Stahlkreuz verbiegt er vor Anstrengung.

„Halt!“ schreit sein verdrehter Körper. „Wie kannst du bloß still zugucken?

Das ist doch nicht zum Aushalten! Wieso gibt es Menschen mitten unter euch, um die sich keiner kümmert? Heh...?

Und wieso ist Kinderarmut bei euch nicht längst ein Fremdwort, was keiner mehr versteht?

Und wie abfällig dürfen manche bei euch reden, anstatt Anwalt für Menschen in Not zu sein? Mensch, Mensch....“

Und ich stehe da vor dem Kreuz und denke: Don Camillo hatte es doch viel einfacher in seiner kleinen Welt in Norditalien. Manchmal hat er sich mit Pepone gestritten. Aber wenn es drauf ankam, da haben die beiden niemanden hängen lassen.

Ob uns Jesus in der Hallenser Marktkirche das sagen will? „Hey! Lasst keinen hängen!“

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg