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31.03.2018
Geburtstag

„Wollen Sie bitte Ihren Namen, Anschrift und Geburtsdatum eintragen“, routiniert reicht mir die junge Frau an der Hotelrezeption den Meldezettel.

„ Oh, Sie hatten Geburtstag – herzlichen Glückwunsch!“

Dann eine kurze Pause; sie rechnet: „60!“

Ich nehme ihren zögernden Blick als Kompliment.

Ich hoffe, sie denkt: „So alt sehen sie noch gar nicht aus!“

Vielleicht aber denkt sie auch: „Mein Gott, so ein alter Mann!“

Den kurzen Moment der unentschlossenen Peinlichkeit überspielt sie mit dem Hinweis auf die Frühstückszeiten. Ich danke und nehme nicht den Fahrstuhl.

Es war ein wunderbarer Geburtstag mit Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunden und der Familie.

Und nun bin ich 60.

Als alle Feierlichkeiten vorbei sind, übe ich, diese Zahl zu sagen.

Sie klingt viel älter, als ich mich fühle.

Ich verdränge den Gedanken, dem Ende meines Lebens ganz eindeutig näher zu sein als bei der Feier vor 10 Jahren.

Wenn nun mein Alter nicht zu leugnen ist, wie wird es weitergehen und vor allem, was kommt danach?

Als Pfarrer predige ich seit mehr als 30 Jahren, wie wir ein Leben lang auf Gottes Ewigkeit zugehen.

Völlig überraschend schleicht sich bei mir ein Gedanke ein:

Ich bin neugierig, wie es tatsächlich sein wird.

Nicht angstvoll, sondern wirklich neugierig.

Gerne habe ich noch lange Geduld, aber: Ich bin gespannt.

Einen Tag vor Ostern bin ich sicher: Es wird gut sein.

Damit grüßt aus Dessau

Joachim Liebig

 


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