Geistliche Weggemeinschaft

Ein Sonnabend im Advent. In einem Wohngebiet der Kleinstadt treffen sich am Nachmittag elf Menschen. Sie haben unterschiedliche Berufe und sind zwischen 30 und 60 Jahren alt. Einige kennen sich schon länger. Über eine Zeitungsnotiz sind sie auf den Termin aufmerksam geworden. Es gibt Kaffee, Kuchen und kleine Pizzastückchen.
Sie wollen eine geistliche Gemeinschaft gründen. Dazu wollen sie täglich beten, sich regelmäßig treffen, vertraulich miteinander reden – über persönliche Freude und Not. Und gemeinsam in der Bibel lesen. Wenn es sich anbietet, wollen sie davon anderen erzählen.
Der Nachmittag endet mit einem gemeinsamen Abendmahl am Wohnzimmertisch; ein Pfarrer ist dafür zu Gast.
Was für eine bemerkenswerte Situation! Menschen unserer Zeit finden sich als geistliche Gemeinschaft!
Sie schreiben keine Hassmails, sondern beten.
Sie bleiben nicht für sich, sondern treffen sich vertrauensvoll.
Sie reden nicht nur über sich, sondern lesen in der Bibel.
Ganz ehrlich! So hat Kirche vor 2000 Jahren begonnen. Und immer wieder haben sich Menschen genauso in ihren Wohnungen getroffen. Bis heute.
Das ist wunderbar und keine Konkurrenz für die Kirchengemeinde. Beides hat seine Bedeutung: die Gemeinde in der gotischen Kirche der Kleinstadt und die vertraute Runde am Wohnzimmertisch.
So oder so: Kirche bleibt – da bin ich sicher.
Aus Dessau grüßt
Joachim Liebig