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15.04.2017
Gierfähre

Ich will hinüber ans andere Ufer der Saale. Dort gibt es einen kleinen Ort mit dem wunderbaren Namen Gottesgnaden. Um hinüber zu kommen, gehe ich hinunter zum Fähranleger.
Die Fähre hat ein Häuschen für den Fährmann; auch ein Geländer, damit keiner ins Wasser fällt; aber sie hat keinen Motor. Wie kommt die Gierfähre nun ans andere Ufer?
Ich schaue dem Fährmann bei seiner Arbeit zu. Er dreht eine große Kurbel. Ein Zahnkranz rattert, ein Stahlseil spannt sich, langsam dreht sich die Fähre und stellt sich schräg. Nun hat die Fähre den richtigen Winkel zur Strömung erreicht. Das fließende Saalewasser drückt mit aller Kraft gegen die Seitenwand und schiebt die Fähre Richtung Flußmitte.
Das funktioniert aber nur, weil die Fähre unsichtbar auf dem Grund des Flusses verankert ist.
Ohne diese Verankerung würde die Strömung die Fähre einfach mit sich reißen. Saaleabwärts bis in die Elbe, dort weiter bis nach Hamburg und schließlich hinaus aufs offene Meer. Ohne den festen Halt wäre die Fähre verloren - und ich auch. Ich brauche den Halt, die Verankerung im Boden.
Ich blicke auf den Fluss und die kleinen Wellen. Das andere Ufer kommt langsam näher.
Was gibt mir festen Halt, was ist mein Lebensanker? Und nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie, meine Frau und die Kinder? Worauf verlasse ich mich?
Mein Anker liegt verborgen unter der Oberfläche. Ich nenne ihn Hoffnung, Glauben, Liebe. - Kurz: Gott. Er ist nicht sichtbar. Aber ich spüre den Halt, den er gibt.

Ein Ruck reißt mich aus meinen Gedanken. Wir sind am andern Ufer. Die Fähre hat mich gut nach Gottesgnaden gebracht.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg


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