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14.01.2020
Lebenswelten

Ich stehe mit dem Auto an der Ampel.

Aus dem Fenster sehe ich einen Mann, der einen Mülleimer durchwühlt. An einem Rollator hängt ein großer Beutel mit leeren Flaschen.

Er sieht mich an – ich sehe ihn an.

Ich sehe einen Mann, der ziemlich am Boden ist. Bei dem viel zerbrochen scheint. Der vielleicht Hilfe braucht.

Dann wird die Ampel grün und ich fahre weiter.

Für einen ganz kurzen Moment kreuzen sich die Lebenswege dieses Mannes und meiner; vermutlich werde ich ihn nie wieder sehen.

Wie ist sein Lebensweg verlaufen, der ihn an diesen Mülleimer geführt hat?

Wann hätte es andere Wege gegeben?

Hat er sich entschieden oder hatte er keine andere Wahl?

Ich stelle mir dieselben Fragen:

Was habe ich selbst entschieden und wann hatte ich keine andere Wahl?

Hätte ich auch an dem Mülleimer stehen können?

Vielleicht.

Krankheit, Verlust der Arbeit, Einsamkeit.

Selbst stabiles Leben kann sich schnell ändern.

Ich bin dankbar für meinen Lebensweg.

Als Christ halte ich mich an die Einsicht, meine Lebensplanung steht immer unter dem Vorbehalt:

So Gott will und ich lebe.

Natürlich bin ich verantwortlich für mein Leben, wer sonst? Immer anderen die Schuld zu geben ist Unsinn.

Ich glaube: Gott will, dass wir leben. Und dass wir gut leben.

Deswegen unterstütze ich Menschen, die anderen in Not helfen.

Ich danke dem Mann an der Ampel für diese Erinnerung, von der er gar nichts weiß.

Vielleicht bin ich ihm näher, als ich zunächst dachte.

Auch ohne Ampel nachdenklich grüßt aus Dessau

Joachim Liebig


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