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08.05.2020
Nie mehr Krieg

Meine Großeltern Amalie und Pius lebten vor dem II. Weltkrieg am Schwarzen Meer. In einem Dorf bei Odessa.

Jeden Morgen sitzt Pius am Tisch, vor sich eine große Tasse mit frischer Milch. Meine Mutter als kleines Mädchen schlüpft aus ihrem Bett, setzt sich leise daneben und genießt still mit ihm die frühe Stunde.

Amalie kümmert sich da schon um Haus und Hof. Ich sehe sie auf dem Kutschbock, wie sie couragiert die Pferde lenkt. „Oi, oi,oi, die Amalie“, sagen die Nachbarn. Am Abend sitzen sie mit Amalie und Pius vor dem Haus. Es ist Frieden.

Doch dann kommt der Krieg. Mit Flucht und Vertreibung. Ein Flüchtlingstreck zieht sich über Bessarabien und Rumänien bis ins Warthegau, erzählt mir meine Mutter. Am Tag hören sie Granaten einschlagen, in der Nacht sehen sie den Feuerschein am Himmel. Sie spüren Todesangst. Dann schweigen die Waffen. Am 08. Mai, heute vor 75 Jahren. Am Tag der Befreiung.

Amalie landet mit ihren beiden Töchtern an der Ostsee in Kühlungsborn. Sie haben alles verloren am Schwarzen Meer. Was bleibt, ist ein Strohlager in einem zur Flüchtlingsunterkunft umfunktionierten Hotel. Wenigstens das. Aber endlich Frieden! Die Chance zum Neuanfang. So einen Krieg, dem Millionen Menschen zum Opfer fallen, der die Welt zerstört und Familien zerreißt, darf es nie mehr geben.

Meint Hans-Jürgen Kant von der Evangelischen Kirche in Halle


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