Richard Benjamin

Unser erstes Enkelkind ist nun schon zwei Monate alt. Als der Geburtstermin im November immer näher rückte, wuchs auch meine Aufregung. Dabei war ich ja nur der angehende Großvater. Aber ich sehe noch, wie wir von Halle nach Leipzig gefahren sind, meine Frau und ich. Es war ein sonniger Tag. Wir irrten durch die Gänge und Flure der Klinik und standen endlich im Zimmer unserer ältesten Tochter. Sie strahlte uns an: Es ist alles gutgegangen. Im Bettchen neben ihr lag der kleine Richard Benjamin.

Wie gern nehme ich ihn auf den Arm. Ich schaue ihn an. Und staune über das Wunder, das Gott hat werden lassen. Wenn Richard schläft, höre ich ihn sanft atmen. Ganz gleichmäßig. Nur manchmal schreckt er auf und seufzt tief mitten im Schlaf. Vielleicht erinnert er sich in seinen Träumen daran, wie schwer es war, auf die Welt zu kommen. Vielleicht ahnt das Kind, dass die Welt nicht immer nur Liebe und Freude und Angenommensein ist. Ein kleiner Moment nur dieses Seufzen, dann schläft der Neugeborene auf meinem Schoß ganz friedlich weiter.

So ein Kind ist ein Wunder. Danke, Gott, aus ein paar Zellen ist ein vollständiger Mensch geworden. Vielleicht gelingt uns auch einmal ein Wunder. Nämlich dann, wenn wir den Krieg und den Hass auf unserer Welt ein für allemal beenden. Wie sehr ich das dem kleinen Richard Benjamin und uns allen wünsche!

Beglückt über sein erstes Enkelkind - Hans-Jürgen Kant, Superintendent in Halle