Schneefrau

Wow, manche Leute haben es drauf. Wie die, die in Amerika einen ganzen Monat lang an einer Frau aus Schnee gearbeitet haben. Kein Schneemann, sondern eine Schneefrau ist da entstanden. Und das mit erstaunlichen Ausmaßen: Die Dame war am Ende mit 37 Metern haushoch und wog rund 6.000 Tonnen. Allein für die Wimpern benutzten ihre Erbauer 16 Skier.

In Halle gab es in diesem Winter bisher nur wenig Schnee. Manche freuen sich darüber. Nicht nur die, die dann Schnee schippen müssen. Sondern auch die, die sagen: „Bei Schnee komme ich nur ins Rutschen und falle hin. Da sind die Autoscheiben freizukratzen und auf der Straße staut sich der Verkehr. Schnee – der kann mir gestohlen bleiben!“

Das kann ich verstehen. Doch mir macht Schnee auch Spaß. Er lockt mich, im Sausetempo jauchzend den Hasenberg vor meinem Fenster hinunter zu rodeln oder eben einen Schneemann zu bauen. Es muss ja nicht gleich so eine gewaltige Gestalt werden wie diese Schneefrau. Ohnehin sind alle Skulpturen, die aus Pappschnee geschaffen werden, vergängliche Kunstwerke.

Das macht aber nichts. Als Mensch muss ich nicht alles für die Ewigkeit bewahren. Manches hat seinen Sinn im Jetzt, dann kann es wieder dahintauen. Und doch freut sich der ewige Gott an dem Schöpfer Mensch, der in immer neuen Anfängen so viel Phantasie entwickelt.

Meint Hans-Jürgen Kant, Superintendent in Halle