29.06.2019
SOS

pip-pip-pip / piep - piep - piep / pip-pip-pip

Drei kurz - drei lang - drei kurz. SOS. Das ist der internationale Seenotruf.

SOS steht für Save Our Souls - Rettet unsere Seelen.

Sagt man so - stimmt aber eigentlich nicht.

Denn diese Kombi SOS ist blanker Zufall. Bei schwerer See und schlechtem Empfang hört man die wechselnden kurzen und langen Töne nämlich ganz gut. Das Morsealphabet hatte dabei gar keine Bedeutung. Es ging um die prägnanten, leicht erkennbaren Töne. Denn in der Not muss es schnell gehen. Es geht um Menschenleben, um rasche Hilfe.

1908 hatten sich 27 Länder auf diesen Code verständigt. Bis dahin nutzen Italiener und Engländer die Buchstaben CQD, die Amerikaner NC. Aber es kann doch nicht sein, dass Menschen ertrinken, nur weil man den Code nicht versteht. Ist doch logisch. Und logisch ist auch, dass man nicht erst fragt: „Warum bist du im Wasser? Wo kommst du her? Wohin wolltest du?“

In der Not wird gerettet, ohne Ansehen der Person.

SOS. Heute rettet die Sea-Watch Menschen im Mittelmeer.

Die Besatzung fragt auch nicht „Warum? Woher? Wohin?“ Sie rettet.

Trotzdem werden die Seeleute der Sea-Watch behandelt wie Kriminelle, ihr Schiff zeitweise beschlagnahmt, die Besatzung verklagt. Weil sie Flüchtlinge retten.

SOS. Auch Deutschland will den Notruf ungern hören.

Im letzten Jahr sind im Mittelmeer 2.262 Seelen ertrunken.

Ohren auf! Es geht um Menschenleben!

 

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg


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