Unterwegs

Weihnachtszeit ist Reisezeit. Das steht schon in der Bibel. In der Weihnachtsgeschichte heißt es „und jeder ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.“ Maria und Josef mussten zur Schätzung, zur Volkszählung in Josefs Heimatstadt Bethlehem reisen. Auch dieses Jahr haben viele Menschen es ihnen nachgemacht. Die Kinder und Enkel, die vielleicht weit weg wohnen und arbeiten, kommen zu Weihnachten dorthin, wo sie herkommen. In Wittenberg gab es sogar spezielle „Rückkehrertage“ für sie. Wer gerne zurück möchte, konnte sich dort über Arbeitsmöglichkeiten in der alten Heimat informieren.
Weniger bekannt ist, dass Maria und Josef nach der Geburt im Stall in Bethlehem gleich wieder losmussten. Das Leben ihres neugeborenen Sohnes war bedroht. Der König Herodes hatte solche Angst vor einem neuen König, dass er alle kleinen Jungen umbringen lassen wollte. Ein Engel flüsterte es Josef im Traum. So flohen sie nach Ägypten.
Heimat und Flucht. Die Weihnachtsgeschichte erzählt auch davon. Wie schön und wichtig es ist, eine Heimat zu haben, einen Ort, an den man immer zurückkommen kann. Und wie schlimm es ist, fliehen zu müssen, weil die politischen Verhältnisse einem keine Wahl lassen. Bei uns leben jetzt viele Familien, die uns davon erzählen können. „Rückkehrertage“ wird es für die meisten von ihnen nicht geben. Aber hoffentlich Engel, die zeigen, wo sie sicher leben können.

Ein offenes Herz wünscht Ihnen
Pfarrerin Kathrin Oxen aus der Lutherstadt Wittenberg