30.09.2019
Unvergesslicher Moment

Bilder in Schwarzweiß. Ich krieg jedes Mal Gänsehaut, wenn ich sie sehe. All diese Menschen in der Prager Botschaft. Dicht bei dicht, zum Teil draußen campierend. Zuhause haben sie alles zurückgelassen: Die alten Eltern. Die Freunde. Die Arbeit. Den Besitz. Die Schulkameraden der Kinder.

Manche haben zu beten angefangen: „Woher kommt mir Hilfe?“ Manche sind ausgerastet, haben sich müde geschrien: „Mensch, sieht das denn keiner, wie uns das Wasser bis zum Hals steht?“

Doch dann der Moment. Der Mann auf dem Balkon:
„Wir sind gekommen, ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise...“

Etwa 4.000 DDR-Flüchtlinge jubeln in der Prager Botschaft. Heute vor 30 Jahren hatte Hans-Dietrich Genscher ihnen die befreiende Nachricht gebracht. Schon bald rollen die Züge mit den Flüchtlingen. Gerettet!

Und ich hab‘ Gänsehaut vor dem Fernseher.

Doch nun: Bilder in bunt. Wieder aus dem Fernsehen:

Insel Samos. Wieder Flüchtlinge, dicht bei dicht, zum Teil draußen campierend.

Zuhause haben sie alles zurückgelassen: Die alten Eltern. Die Freunde. Die Arbeit. Den Besitz. Die Schulkameraden der Kinder.

Manche haben zu beten angefangen: „Woher kommt mir Hilfe?“ Manche sind ausgerastet, haben sich müde geschrien: „Mensch, sieht das denn keiner, wie uns das Wasser bis zum Hals steht?“

„Denkt an die Geschichte! Ihr selbst seid Fremde gewesen.“ sagt Gott.

„Darum achtet all jene, die auf der Flucht sind. Sie sollen bei euch leben wie Einheimische.“

 

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg

 


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