Zieh ein

Es reichte, wenn er die Orgel hörte und die Lieder sang, schon kamen die Tränen. Zieh ein zu deinen Toren.
Nach Hause kommen, einmal nach Haus, dachte Alfred, wie lang ist das jetzt her? Denn zu Hause, das gab es nicht mehr. Zu Hause war Pommern, ein zerstörtes Haus, war ein Bruder, der nicht mehr am Leben war. Zu Hause war ganz lange her.
Zieh ein zu deinen Toren. So sangen sie es auf dem Weihnachtsmarkt. Ach, wenn ich das könnte. Einziehen bei Dir! Nach Hause kommen und bleiben bei dir. Ein Ton reichte und es kam die Musik. Und mit der Musik kamen Tränen. Tränen und Erinnerung, das Tosen von Krieg.
Du weißt nicht, was es für mich bedeutet bei Dir zu sein, hatte er eines Morgens zu Hannah gesagt. Hannah, seiner Liebe, die um so vieles jünger war. Du weißt es nicht, du kennst ihn nicht, den Krieg.
Ihre Hände auf seinen, das war Frieden. Wie wenn ein Engel ihn berührt. Himmlische Heerscharen, Jauchzen, Musik. Gott liegt in der Krippe, nackt und bloß. Zieh ein zu deinen Toren. Ja, mein Gott, komm, ach komm zu mir. Komm und mach mein Leben wieder gut.
Einen guten Tag wünscht Pfarrerin Kristin Jahn, früher Wittenberg/Altenburg.