25.06.2019
Armut

Endlich klingelt es zur Pause. Die Kinder toben aus dem Klassenraum. Die Lehrerin packt ihre Plastikdose aus, voll mit Apfel- und Möhrenstückchen und einem Käsebrot. Ein Kind ist noch da, es macht keine Anstalten nach draußen zu gehen, schleicht um den Lehrertisch herum … bis die Lehrerin fragt, ob es ein Apfelschnitzchen haben möchte, vielleicht noch ein Möhrenstückchen … es gibt etliche Kinder, die sich ohne Frühstück auf den Schulweg machen und auch nichts mithaben für die Pause. Kinderarmut in Deutschland? Das kann nicht sein. Doch, das gibt es. Ein Viertel der Kinder bis 15 Jahre leben in Mitteldeutschland an der Armutsgrenze. Das darf nicht sein!

Deshalb treffen sich heute Menschen vom Kinderschutzbund und aus Kommunen, aus Wissenschaft und Politik zu einer Tagung in Erfurt. Titel: „Gute Antworten auf Armut“. Hoffen wir, dass die auch gefunden werden.

Vor fast 500 Jahren, nach der Niederschlagung der Bauernaufstände, hatte der Nürnberger Hans Hergot, eine Vision: Es sind gesehen drei Tische in der Welt: Der erste ist überflüssig und es ist zu viel darauf, der mittlere bietet alles, was man zum Leben braucht, und der dritte ist nur ganz notdürftig gedeckt. Da kommen die von dem reich gedeckten Tisch und wollen noch nehmen von dem Tisch mit dem Wenigsten. Aber Gott wird umstoßen den übervollen Tisch und den armseligen Tisch und es wird bleiben der mittlere Tisch. Genug für alle.

Hans Hergot wurde für diese Vision hingerichtet. Das droht den Tagungsteilnehmern heute nicht mehr. Sie können, wir können die Vision einer gerechten Gesellschaft hochhalten, damit sich etwas ändert. Kein Kind soll um die Brotdose einer Lehrerin schleichen müssen.

Einen guten Tag wünscht Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.


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