Aufeinander hören

Nach der Orchesterprobe geht es hoch her. Einige der Streicher und Bläser diskutieren aufgebracht. Nicht zum ersten Mal. Und auch nicht zum ersten Mal zu diesem Thema. Dabei stört beide Gruppen das gleiche: Wenn die Streicher mit dem Dirigenten ihre Stimme proben, sitzen die Bläser nicht etwa ruhig dabei und hören zu. Sondern reden miteinander, daddeln auf dem Handy oder beschäftigen sich sonst irgendwie. Und umgekehrt ist es genauso. Manchen ist das egal. Es stört sie nicht. Aber andere finden das respektlos. Es regt sie auf, wenn sie sich konzentrieren müssen und hinter ihnen mehr oder weniger laut geschwatzt wird. Oder auf dem Handy gespielt wird. „Damit wir am Ende gemeinsam gut klingen, müssen wir auch aufeinander hören“, sagt eine Frau, die Violine spielt. Mir leuchtet das ein: Wenn alle zusammen musizieren und schön klingen wollen, dann muss man auch aufeinander hören. Auf jede einzelne Stimme und was sie zu spielen hat. Sonst klingt es am Ende eher nach einer Katzenmusik als nach Symphonie. Wahrscheinlich ist es auch sonst im Leben so: Wenn jeder für sich alleine macht, was und wie er denkt, passt es am Ende nicht zusammen. Man muss schon auf das hören, was jeder einzelne zu sagen hat. Weil der oder die andere genauso wichtig ist wie ich. Nur so gelingt Miteinander. In einem Orchester. In einer Familie. In einer Gemeinde. In der Kirche. In einem Land. Nicht, dass das einfach wäre. Oder immer gleich klappt.

Aber wenn es gut werden soll, ist es ist die Mühe allemal wert - findet Kristina Kühnbaum-Schmidt, Regionalbischöfin der evangelischen Kirche in Meiningen