Frauen an die Macht

Heute übernehmen die Frauen die Macht. Und das ganz ohne Frauenquote. Spätestens heute Mittag ziehen sie in die Rathäuser der Städte ein. Sie lösen die Bürgermeister, Stadträte und Kämmerer einfach ab. Jedenfalls überall dort, wo diese Posten von Männern bekleidet werden. A propos Kleidung: Wenn die Frauen die Macht übernehmen, schneiden sie den regierenden Männern die Krawatten ab. Wie es sich zur Weiberfastnacht gehört. Denn genau die ist heute. Mit ihr beginnt die Hoch-Zeit des Karnevals. Dass Frauen regieren, galt noch bis ins letzte Jahrhundert als verkehrte Welt. Und wurde deshalb auch in der Zeit der verkehrten Welt, dem Karneval, gebührend gefeiert. In diesem Jahr werden es in unserem Land genau hundert Jahre sein, dass Frauen ebenso wie Männer wählen dürfen. Viel hat sich in diesen hundert Jahren verändert. Aber bis Männer und Frauen wirklich gleichberechtigt leben und gleichermaßen Macht und Verantwortung haben, gibt es noch einiges zu tun. In Rathäusern und Parlamenten. Aber auch in Kirchengemeinderäten und Synoden. Heute an Weiberfasching soll es aber mit dem Zitat einer mächtigen Frau genug sein: Maggie Thatcher, frühere Premierministerin von Großbritannien. Die hat mal gesagt: „Es stört mich nicht, was meine Minister sagen, solange sie tun, was ich ihnen sage.“

Einen fröhlichen Weiberfasching wünscht Kristina Kühnbaum-Schmidt, Regionalbischöfin der evangelischen Kirche in Meiningen