06.04.2019
Befreiung KZ Ohrdruf

Vielleicht wird es in den USA noch einige ehemalige Soldaten geben, die in diesen Tagen an Ohrdruf denken. Männer der 89. Infanteriedivision der US-Armee. Die Division trägt den Titel „Befreier“. Sie haben Anfang April 1945 das Außenlager des KZ Buchenwald in der Nähe von Ohrdruf befreit. Dort, wo die Häftlinge unter bestialischen Bedingungen Stollen in den Berg treiben mussten, Tausende ermordet wurden, gibt es heute eine Gedenkveranstaltung: an der Gedenkstätte Jonastal.

Der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte und spätere Präsident, Eisenhower, hatte angeordnet, dass möglichst viele der führenden Militärs, aber auch einfache Soldaten sich selbst ein Bild von der „Hölle Ohrdruf“ machen sollten.

Bis heute wehrt sich die 89. Infanteriedivision gegen Neo-Nazis, die den Schrecken von Ohrdruf bagatellisieren wollen, es sei ja „nur“ ein Arbeitslager gewesen. Auf ihrer Internetseite lassen sie Zeitzeugen zu Wort kommen. So auch Murray Kohn, der mit 15 Jahren in das Lager kam und später Rabbi wurde: „Ohrdruf war bis in die letzten Tage ein Schlachthof. … Als ein alliierter Soldat seinen Arm ausstreckte, um mir aufzuhelfen, war das wie die Einladung zu meinem Wiedereintritt in die Menschheit. Da waren meine unveräußerlichen Rechte auf ein würdiges Dasein als Mensch und als Jude wieder hergestellt. Mögen die Befreier und die Befreiten, für den Preis, den sie gezahlt haben, in Erinnerung bleiben“, so endet der Text.

Murray Kohn lebt nicht mehr, es gibt nur noch wenige Zeitzeugen. Es ist an uns, die Erinnerung wach zu halten, um der Menschlichkeit willen.

 

Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.


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