03.08.2019
Das Kätzchen

Wie lange halte ich es noch aus, mit der Lüge zu leben? Jedenfalls fühlt es sich wie eine Lüge an. Also von vorn. Angenommen, die Kinder hätten ein Kätzchen angeschleppt. Es wäre ein süßes dreifarbiges gewesen. Ihr hättet kein Kätzchen haben wollen. Aber die Kinder schaffen Fakten.

Das Kätzchen zerkratzt die schönen Stühle, die ihr von eurer Tante geerbt habt, sie mauzt, wenn sie raus will, wenn sie rein will, wenn sie was zu essen will. Den ganzen Tag. Die Kinder haben längst anderes im Kopf.

Eines Tages kommt das Biest nicht wieder. Die Kinder weinen. Eine Woche. Zwei. Sie hatten sie, scheint’s, doch ganz gern. „Sicher ist sie jetzt an einem besseren Ort“, tröstet man die Kinder. Und man selbst: Die heimliche Freude, dass das Biest weg ist.
Doch eines Abends beim Spazierengehen merkt man ganz unverhofft: Da sitzt sie im Fensterbrett, dreifarbig, wohlgenährt wie nie und mauzt, wenn sie einen sieht. Die Katze ist bloß fünf Häuser weiter gezogen.

Schickt man jetzt die Kinder zum Nachbarn: Hör mal, das ist unsere Katze.
Geht man selbst? Oder aber: Füße stillhalten. Nichts sagen ist bequem. Doch fühlt sich falsch an. Lügen durch Verschweigen. Wie lange hält man das aus? Bis man sich ausspricht und sagt: Hört mal, es gibt da etwas, das ich euch schon länger hätte sagen sollen.

Ich glaube, mein Punkt ist nach dem Urlaub erreicht. Bis dahin müssen die Nachbarn sich noch kümmern, meint Pfarrer Gregor Heidbrink aus Apolda.


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