28.06.2019
Der Wert der Dinge

Mein Nachbar meint, ich soll hier mal etwas zu Werten sagen. Er macht sich Sorgen. Wir kennen von den meisten Dingen den Preis, aber von vielen nicht den Wert. Dabei werden wir unentwegt aufgefordert, irgendetwas zu bewerten. Kaum haben wir etwas im Internet gekauft, werden wir gedrängt, ein paar Sterne zu vergeben, die Klamotte zu bewerten, dann den Verkäufer, das Lieferauto, dessen Fahrer, seinen Fahrstil und das Wetter an dem Tag, als die Lieferung kam. Das nervt doch. Aber will ich etwas kaufen und finde keine Bewertung, werde ich unsicher. Was nicht bewertet ist, ist vielleicht auch nichts wert.

Aber ist es nicht so, dass eh nur ich allein merken kann, ob mir etwas wertvoll oder wertlos erscheint? Werden die Dinge nicht erst dadurch wertvoll, dass sie mich irgendwie berühren? Da ist die Nähmaschine von der Oma, die würde durch jede Bewertung fallen, so schwer wie die sich treten lässt. Aber ich würde sie um nichts in der Welt hergeben. Klar sind mir auch Dinge wertvoll, die ich gerade gekauft habe, weil ich mich damit wohlfühle, lange gespart habe … Manche Dinge werden erst richtig wertvoll, weil es mir gelungen ist, sie zu reparieren, statt sie wegzuwerfen. Ach ja, und Geschenke, die fallen durch jedes Bewertungsraster. Was kann eine Kinderzeichnung schon wert sein? Mehr als sich mit Geld bezahlen ließe.

Mancher Wert, den etwas hat, scheint zwischen uns zu entstehen, auf dem Umweg über unsere Herzen, das erst lädt die Dinge mit Bedeutung auf und macht sie wichtig.

Einen guten Tag wünscht Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.


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