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25.07.2023
Die dreifache Schnur

Mein Sohn ist gerade in Kalifornien und schickt mir ein Foto von einem Denkmal. Es steht in San José. Zu sehen sind zwei Sportler auf einem Siegerpodest, bestimmt sechs Meter hoch. Der eine auf dem ersten, der andere auf dem dritten Platz, um den Hals die Medaillen. Der eine streckt den linken Arm mit geballter Faust in den Himmel, der andere den rechten Arm.

Dargestellt sind Tommie Smith und John Carlos bei der Siegerehrung zum 200 Meter Hürdenlauf der Olympischen Spiele in Mexiko 1968. Die beiden Schwarzen haben die Siegerehrung genutzt für einen stummen Protest gegen die Rassendiskriminierung. Das Foto ging um die Welt. Und sie wurden aus der US-Mannschaft entlassen, nach Hause geschickt und jahrzehntelang beleidigt und angefeindet.

Als Zweiter ging damals der Australier Peter Norman durchs Ziel. Bei der Siegerehrung trug er einen Anstecker einer schwarzen Menschenrechtsorganisation. Er hat sich mit den beiden solidarisiert. Als er 2006 starb, trugen Smith und Carlos seinen Sarg.

In der Bibel heißt es: Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei.

Ich sehe dieses Foto an und denke: Mein Sohn, ich wünsche Dir den Mut dieser Männer, was es auch für Konsequenzen haben mag, zu demonstrieren. Denn wir dürfen nicht schweigen, wenn andere wegen ihrer Hautfarbe oder Religion diskriminiert werden. Und ich wünsche Dir Freunde, die Dich bestärken, zu widerstehen, und mit denen Du eine dreifache Schnur flechten kannst, eine die nicht reißt. Und ja, das ist ein Gebet.

Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach


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