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10.02.2018
Einer trage des anderen Last

Auch heute muss sie wieder früh raus. Jeden Morgen hofft sie, dass es nicht glatt ist. Denn sie will pünktlich sein. Sie wird ja erwartet. Die alte Dame, die immer Schwester Renate zu ihr sagt, wartet auf sie. Wartet, dass sie kommt, ihr ein freundliches Guten Morgen sagt. Ihr beim Aufstehen und Waschen behilflich ist. Das Frühstück richtet. Die Tabletten für den Tag in die Medikamentenschachtel packt. Dann muss sie schnell weiter. Ein paar Straßen weiter wartet ein älterer Herr. Die Pflege seiner Frau schafft er allein nicht mehr. Da wird sie auch gebraucht. Dann weiter zum nächsten Menschen, der auf sie wartet. So geht das den ganzen Tag. Ab und an hält jemand ihre Hand ganz fest. Damit sie noch ein bißchen bleibt. Für ein paar Worte, eine freundliche Geste. Es zerreißt ihr das Herz, wenn sie dann trotzdem weiter muss. Die Pflegezeiten sind eng getaktet, da bleibt nicht viel Zeit. Ihr Arbeitstag ist anstrengend. „Aber“, sagt sie, „ich bekomme so viel zurück. Ich weiß, ich werde gebraucht.“ Ein Satz aus der Bibel ist ihr wichtig: „Einer trage des Anderen Last.“ „Das,“ sagt sie, „das versuche ich: Ich trage ein bisschen mit.“ Gott sei Dank, dass es Menschen wie sie gibt. Die für andere da sind. Helfen, pflegen, heilen. Die die Last anderer mittragen.

Auch heute wieder. Einen behüteten Tag wünscht Kristina Kühnbaum-Schmidt, Regionalbischöfin der evangelischen Kirche in Meiningen

 

 


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