02.06.2019
Erhöre mich

Im Konfirmandenunterricht sprechen wir über das Beten.  Die Konfis kennen sich aus. Klar, das Vaterunser. Oder Tischgebete. Und die meisten haben auch schon mal ein Stoßgebet gen Himmel geschickt, z. B. vor der Mathearbeit.  Eine Konfirmandin allerdings sitzt die ganze Zeit mit geballten Fäusten da  und schweigt.

Dann bricht es aus ihr heraus: „Beten ist totaler Quatsch!  Als meine Oma krank war, habe ich gebetet wie verrückt. Und dann ist sie doch gestorben! Kannste vergessen! Der hört eh nicht auf uns!“ Rums, das hat gesessen. Keiner sagt was. „Kennt ihr das auch?, frage ich die anderen. Einige nicken. Immer noch Schweigen.

„Lasst uns mal in die Bibel schauen,“ sage ich. „Im Psalm 22, da steht auch ein Gebet.“

Die Konfis lesen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ Dann reden sie: „Das soll ein Gebet sein? Der beschimpft Gott ja richtig! Krass!“

Genau das sind Gebete: Seufzen, klagen, schreien, danken, jubeln, flehen.  Mit offenen Händen oder geballten Fäusten. Alles loswerden, was mir auf  der Seele brennt. Darauf vertrauen, dass sich ein Weg für mich findet. Auch wenn der vielleicht anders aussieht, als ich denke.

„Erhöre mich!“ Alle Gottesdienste heute stehen unter dieser Überschrift. Genau das dürfen wir von Gott erwarten. Dass er uns hört.


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