EU-Afrika-Gipfel und Flüchtlinge

Das Video des US-Senders CNN zeigt drei Afrikaner mitten in der Nacht. Zu hören ist die Stimme eines Mannes, der Beträge nennt. Am Ende wechselt der Afrikaner für 750 Euro den Besitzer. Hier werden Flüchtlinge versteigert – in Libyen. Zwanzigtausend Flüchtlinge sind in Libyen eingepfercht in KZ-ähnlichen Lagern. Massenvergewaltigungen sind an der Tagesordnung, Lebensmittel knapp, die sanitären Bedingungen katastrophal.

Spitzenpolitiker aus der EU und aus Afrika sind zu einem Gipfel an der Elfenbeinküste zusammen. Es wird, es muss auch um Libyen gehen. Die EU und so auch Deutschland unterstützen die libysche Küstenwache, um den Fluchtweg übers Mittelmeer zu verstellen. Man will die Flüchtlinge in Afrika halten. Scheinbar um jeden Preis.

Jeder, der aus den Folterlagern fliehen kann, wird mit deutscher Hilfe wieder dorthin zurückgebracht: in die Hölle. Unsere Gerechtigkeit, um es mit einem Bibelwort zu sagen, ist ein schmutziges Kleid.

Was können wir dafür, was geht es uns an, mag mancher fragen. 150 Bundesverdienstkreuzträger fordern den Bundestag auf, eine Kommission einzusetzen, um dieser Frage nachzugehen: Wo und wie sorgen wir mit unserer Politik dafür, dass sich Menschen gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen? Durch unsere Rüstungsexporte, unser Wirtschaften, unseren Lebensstil. Und was ist dagegen zu tun?

Wir als evangelische Kirche meinen, das muss endlich ein vordringliches Thema sein. Wir wollen, dass Fluchtursachen bekämpft werden, nicht Flüchtlinge!

Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.