Fragen der jugend

„Huhu, hört ihr mich?“ – Das fragt ein Jugendlicher die Politiker. Eine große Zeitung hatte vor der Bundestagswahl junge Menschen aufgerufen, zu fragen, was sie politisch bewegt. Und die Fragen wurden dann auf einer ganzen Seite abgedruckt, die hier zum Beispiel: „Liefert Deutschland wirklich Waffen in Kriegsgebiete und warum?“ – „Warum ist die Bildungspolitik so verschieden von Bundesland zu Bundesland?“ – „Wie kann es sein, dass Kindergärtner, Alten- und Krankenpfleger so wenig Geld bekommen, obwohl sie sich täglich um das Wohl anderer kümmern, während Anwälte, … sich riesige Häuser, teure Autos und Luxusurlaube leisten können?“

Da legen junge Leute ihre Finger in Wunden, die uns Älteren schon lange nicht mehr schmerzen: die Rüstungsexporte, die Kluft zwischen Arm und Reich, die krepelige Bildungspolitik. Daran haben wir uns doch längst gewöhnt.

Wir sind ängstlich, dass unsere Kinder und Enkel in dieser Welt nicht zurechtkommen könnten. Wir wollen, dass sie bestehen. Und oft meinen wir damit: Sie sollen sich anpassen.

Dabei ist es doch das Vorrecht der Jugend, die Welt zu hinterfragen?! Sie sind es, die die Zustände mit ihrem erwachenden Bewusstsein wahrnehmen – und fragen: Muss das so sein? Wieso, wozu ist das gut? Geht das nicht anders? Wir sollten sie ermutigen, ihre Fragen zu stellen, hart und beharrlich, damit wir antworten oder zugeben, dass wir keine Antworten haben.

Der Weg zu jeder Besserung ist mit Fragezeichen gepflastert,
meint Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.