23.04.2019
Friedliche Revolution

18. April 1989. Die Leipziger SED-Führung berät über den Einsatz von Kampfgruppen gegen oppositionelle Demonstrationen.

30 Jahre und 4 Tage ist das her. Die Lager waren hergerichtet und die Listen geschrieben, wer im Fall des Falles als erstes abzuholen ist. Auch nach so vielen Jahren erschüttert mich das. Da haben Menschen über Menschen Böses geplant. Es gibt Betroffene, die verachten jene, die das planten, bis heute.

Aber für mich macht Verachtung nichts gut.

Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, sagt Josef zu seinen Brüdern. Das Alte Testament erzählt, wie Josefs Brüder beschlossen, ihn umzubringen, weil Josef immer alles besser wusste er und träumte, er sei die Sonne, um die sich alles dreht. Eines Tages warfen sie ihn in eine Grube. Sie töteten ihn zwar nicht, aber verkauften ihn an einen Händler. So kommt Josef nach Ägypten. Aber Josef wird dort ein großer Mann.

Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. Das sagt Josef zu seinen Brüdern als sie jahrzehntespäter vor ihm stehen und um Brot bitten, weil in ihrem Land eine Hungernot ist. Fürchtet euch nicht, ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

Das ist Größe, denke ich. Mich nicht zum Herrn über Leben und Tod machen, auch wenn das meine Brüder bei mir gemacht haben. Das ist friedliche Revolution seit mehr als 30 Jahren. 

Sagt Kristin Jahn, Superintendentin im Kirchenkreis Altenburger Land.


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