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08.05.2020
Heile Welt?

„Diese Stille war unglaublich. Ich habe die Vögel zwitschern hören. Und die Sonne hat geschienen. Auf einmal war da eine heile Welt.“

Eine alte Dame, weit über 80, erzählt vom Ende des Krieges. Heute vor 75 Jahren war das. Ganz offiziell. Unterschrieben und besiegelt.

Endlich keine Bomben mehr vom Himmel, kein knatterndes Artilleriefeuer. Das sinnlose Töten hatte ein Ende. Nur Stille. Und die Welt schien eine heile zu sein.

Doch das war sie nicht. Die Realität kam schnell zurück. Kaum eine Familie, die keine Toten betrauern musste. Ruinenstädte. Menschen ohne Dach über dem Kopf. Flüchtlinge überall. Hunger. Kampf ums Überleben. Angst vor der Rache der Sieger. Auch Scham.

Es dauerte lange, bis die Welt ein wenig heiler wurde. Für viele wurde sie es nie mehr. Die Spuren des Krieges reichen bis in die Gegenwart. Noch immer träumt meine Mutter von den Nächten im Luftschutzkeller und von der Sehnsucht nach dem Vater, der nie mehr nach Hause kam.

Das macht der Krieg. Jeder Krieg. Die Welt ist nicht heil. Doch 75 Jahre Frieden sind möglich. Dafür bin ich dankbar. Und ich will mich nicht entmutigen lassen, um Frieden zu bitten und für ihn zu beten. Und ich will mein Gesicht in die Sonne halten und auf das Gezwitscher der Vögel hören und fühlen, wie kostbar das ist.

Einen guten Tag wünscht aus Eisenach Pfarrerin Cornelia Biesecke.


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