Himmlische Koordinaten

Es ist doch ganz klar: Ein König wird in einem Palast geboren. Die Weisen aus dem Morgenland sind sich sicher. Sie haben ihrer himmlischen Navigation vertraut und kurz vor dem Ziel ausgeschaltet. Hier irgendwo muss es ja sein. Ach da – klar – da ist der Palast, dieses Bild stimmt. Nur die Koordinaten sind falsch. König Herodes glaubt seinen Ohren nicht zu trauen. Ein neugeborener König? Davon müsste er doch wissen? Nein, hier nicht. Aber wenn ihr den findet, sagt mir Bescheid, damit ich auch hingehen und ihn anbeten kann, heuchelt er.
Und die Weisen gehen wieder auf die Suche. Der Stern leuchtet hell über ihnen und diesmal trauen diesem Himmelszeichen bis zum Ziel. Bis es sie zum Stall in Bethlehem führt. Zur Krippe. Zum Kind. Da stimmen alle Koordinaten. Nur nicht das Bild. Ein König im Elend? Doch. Muss. Alles richtig. Also fallen sie nieder und beten es an – das kleine Bündel Leben auf Heu und Stroh.
Einen Sohn Gottes hatten sie sich anders vorgestellt. Aber sie sind zu klug, um zu meinen, sie wüssten viel von Gott. Wenn er hier zur Welt kommt, muss er größer sein. Ein weites Herz haben. Für die Unscheinbaren. Für die, auf die sonst so schnell keine Kamera hält. Wo die Mikros lange einen Ton suchen müssen. Und die Reporter einen Grund.
Nein – hier ist das Leben pur. Kein bisschen glamourös. Ziemlich existenziell. Und also göttlich.
Als sie umkehren, wissen sie mehr über Gott.
Suche den Glanz nicht da, wo die vielen Scheinwerfer sind. Gewöhne deine Augen an das Dunkel dieser Welt. Da will sich Gott finden lassen.
Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche.