Respekt vor dem Mann im Schatten

Da hat das Leben richtig etwas verlangt von ihm. Er war doch nur ein ganz normaler kleiner Handwerker. Ortsverbunden. Und er liebte diese Frau. Gerade weil sie so ist, wie sie ist. Er wollte keine andere. Aber die ganze Sache wurde eine richtig große Nummer. Da kam die Sache mit dem Kind. Nicht von ihm. Er wollte gehen. Konnte nicht glauben, was der Engel ihm flüsterte. Gotteskind – was soll das heißen? Doch tief drinnen hatte er verstanden, dass es richtig ist, bei ihr zu bleiben. Es mit ihr durchzustehen. Was hat sich Gott nur dabei gedacht?!

Und warum ausgerechnet Bethlehem? Kleines Kaff mit großem Namen. König David kam hierher. Bloß ein ordentliches Quartier gab es nicht. Nur einen zugigen Stall.
Und nun ist das Kind da. Und er, Josef, fast eine Randfigur. Schweigend daneben. Als die Hirten kommen, die Könige. Was für ein Budenzauber. Und trotzdem: Es gehört zu den glücklichsten Momenten seines Lebens. Als würden die Engel singen. Komisch, oder?
Gott muss Humor haben. Am hellsten ist es in der kleinsten Hütte. Und wenn dich das Elend zwickt, kommt Gott in deine Welt. Einfach so. In einem kleinen süßen Würmchen mit großen Augen.
Dass das Schmerzhafte und das Wunderbare immer so nah beieinanderliegen muss, findet er anstrengend.
Aber er steht seinen Mann. Genauso. Ambivalent. Und mutig.
Respekt, lieber Josef. Deine Frau darf sich glücklich schätzen.
Findet Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche.