13.03.2019
Klarheit

„Darf ich Sie vielleicht noch zu einem Nachtisch verführen?“ Das fragt mich die Kellnerin. Und sieht mich erwartungsvoll an. Ich schrecke auf aus meinen Gedanken, denn im Hintergrund läuft gerade Udo Jürgens. Ich war noch niemals in New York. Und bei dem Lied geh ich immer in mich: Was haste eigentlich gemacht mit deinem Leben? Nie auf Hawaii… Immerhin, morgen ist mein vierzigster. Nie in San Francisco in zerrissenen Jeans.

Da fragt die mich, ob sie mich zu einem Nachtisch verführen könnte. Innerlich bin ich noch beim Hauptgang. Der Hauptgang kann doch noch nicht vorbei sein mit vierzig, oder?

Frollein, hab ich bloß gedacht, hören Sie doch mal hin: Ich war noch nie in New York. Ich will das ganz große Ding. Der Horizont. Liebe, Freude, Frieden, Erfolg. Und da fragen Sie mich, ob ich mit Pudding zufrieden wäre?!
Dabei hat die vermutlich auch nicht immer hier servieren wollen.

Wenn Sie wüssten, wozu sie mich alles verführen könnten, denke ich. Aber gut wär es nicht. Ich schaue sie an, sie schaut mich an, und wir sehen wohl beide etwas traurig aus. Da höre ich mich sagen: „Einmal den Apfelstrudel, bitte. Mit Vanilleeis.“ Das war nicht das, was ich hätte sagen sollen, denke ich, aber irgendwann. Irgendwann, mit Gottes Hilfe, wird mir das Richtige einfallen. Welche Richtung will ich meinem Leben geben? Klarheit, das wäre es. Da will ich mich nicht mehr abspeisen lassen. Hofft Pfarrer Gregor Heidbrink aus Apolda.


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